Als ich mich hypnotisieren ließ

Über Hypnose wusste ich nicht allzu viel. Ich stellte mir das so vor, dass mir jemand gegenüber sitzt und intensiven Blickkontakt mit mir pflegt. Und dadurch würde dann irgendwann durch irgendeine bestimmte Technik irgendwas mit mir gemacht. Tja und Blickkontakt bei mir als Blinde Frau? Das konnte man absolut vergessen. Ich habe noch einen geringen Sehrest von ca. 2 %. Damit sehe ich grobe Umrisse von Menschen oder Gegenständen. Für Mimik oder Blickkontakt reicht das jedoch nicht aus. 
Ich war irgendwann Anfang 20, studierte und hatte eine ebenfalls blinde Kommilitonin. Und irgendwann alberten wir herum und erfanden die IHB. Das war eine Abkürzung für „Institut Hypnose für Blinde“. Wir überlegten wen wir aus unserem Freundeskreis für welche Aufgabe einsetzen würden. Vor allem zwei ganz blinde Freunde wählten wir für die Tätigkeit als Hypnotiseur aus. Ich glaube, es gab kein Klischee, dass wir an diesem fröhlichen Abend nicht bedienten. 
Und so blieb es in den nächsten Jahren auch. Hypnose hatte was mit Sehen zu tun, und damit war das eines der Dinge, die ich mir nicht vorstellen konnte. Und mein Interesse dafür war nicht groß genug, um mich umfassender zu informieren. Meine Informationen bezog ich hauptsächlich aus dem Buschfunk und dem ein oder anderen Bericht aus den Medien. Das war es dann aber auch schon.
Im Herbst 2016 stieß ich zufällig auf eine Anzeige. Es wurden Probanden zum Thema „Gewichtsreduzierung durch Hypnose“ gesucht. Aus einer spontanen Laune heraus schrieb ich zurück und äußerte meine Bedenken bezüglich meiner Sehbehinderung. Christiane, die den Aufruf gestartet hatte, schrieb mir zurück, dass sie kein Problem darin sehen würde. Und damit war meine Neugierde geweckt. 
In den nächsten Tagen telefonierten wir. Dabei erklärte mir Christiane, dass nicht der Blickkontakt entscheidend ist, sondern vielmehr meine mentale Fokussierung auf die innere Ruhe. Und selbstverständlich würde vorher nochmal über die Details gesprochen. Es würde also nichts passieren, dass ich nicht möchte. Ich war ihre erste blinde Probandin. Und so waren wir beide gleichermaßen neugierig und vereinbarten einen Termin für eine Sitzung. 
Wir trafen uns bei Christiane zuhause. Zuerst stellte sie mir einige Fragen zu meiner Person. Anschließend erklärte ich mich damit einverstanden mich von ihr hypnotisieren zu lassen. Und schlussendlich wurde über meine Ernährung gesprochen. Es ging darum festzustellen, was mich selbst störte und was während der Hypnose in meinem Unterbewusstsein noch mal verankert werden sollte. Danach konnte es losgehen. 

Ich durfte mich in einen bequemen Sessel setzen, die Beine hoch legen und es mir so richtig bequem machen. Danach schloss ich die Augen und konzentrierte mich auf die Stimme von Christiane, die mir half mich zu entspannen. Dabei leitete sie mich an meine Aufmerksamkeit auf bestimmte Regionen meines Körpers zu richten, um diese zu entspannen. Da Loslassen nie so mein Ding war, fiel es mir zunächst etwas schwer. Aber nach und nach konnte ich mich darauf einlassen. Ich konzentrierte mich ausschließlich auf ihre Stimme, die sehr beruhigend war.

 Sie begann nach der Einleitung mit einer Blockadenlösung, was üblicherweise am Anfang durchgeführt wird. Dabei wurde mein Unterbewusstsein angeleitet, alles, was es belastet „rauszukramen“ und loszulassen und es über meine Arme in meine offenen Hände, wie in eine Schale, fließen zu lassen. Mein Unterbewusstsein hat dann alles mit einer Handdrehung ausgekippt. Was es war, darüber wurde nicht gesprochen.
Über das, was mir weiterhin unter der Hypnose suggeriert wurde, möchte ich nicht sprechen. Erstens würde ich künftigen Interessenten etwas vorweg nehmen. Und zweitens ist mir das zu persönlich für einen Bericht, der für eine breite Öffentlichkeit bestimmt ist. 

Nur so viel: Die Suggestionen bei diesem Thema, dem Abnehmen, gehen unter anderem sehr detailliert auf das Essverhalten ein.

Wichtig ist nur, dass ich während der gesamten Sitzung wach war und nie das Gefühl hatte, dass hier irgendwas passiert, dass ich nicht kontrollieren kann. 
Ich habe an diesem Abend gelernt, dass Hypnose nicht sofort wirkt, sondern ca. zwei bis drei Tage braucht, bis das Unterbewusstsein das verarbeitet. Auch sollte man diese Suggestionen ein paarmal wiederholen, damit die Psyche sich das merkt. Gerade in Bezug auf lang erprobte und gefestigte Verhaltensmuster, die es zu durchbrechen gilt. 
Abgenommen habe ich dadurch nicht. Das lag aber sicher nicht an der Hypnose, sondern daran, dass ich Medikamente nehme, die das etwas erschweren. Nichts desto trotz würde ich nicht mehr auf diese Erfahrung verzichten wollen. Und ich empfehle jedem das mal auszuprobieren. Und wen ich jetzt neugierig gemacht habe, der findet auf der Homepage von Link Hypnosezimmer https://www.hypnose-zimmer.de/ alle weiteren Informationen zu dieser Thematik.
 

Glas Augen, mehr als Ästhetik

Vor einigen Wochen hörte ich von einer Geschichte, in welcher ein blinder Mann in der Augenambulanz einen Sehtest machen sollte. Er erklärte der Mitarbeiterin, dass er ein Glasauge trägt, und daher auf dem entsprechenden Auge kein Sehrest mehr vorhanden sei. Die Dame war mit dieser Information erst mal total überfordert, und kam mit einer Kollegin wieder, der es nicht anders erging. Es waren viele Worte nötig, um den Sachverhalt aufzuklären.  

Es gibt diverse Mythen und Erzählungen, die sich um das Tragen von Glasaugen ranken. Ich selbst habe keine Erfahrungen auf diesem Gebiet. Daher hat mir eine blinde Trägerin eines Glasauges den folgenden Beitrag geschrieben. 

Augenprothesen oder landläufig Glasaugen sehen so echt aus und können sich je nach ihrer Gestaltung auch mitbewegen.
Wie gut das klappt, durfte ich vor Jahren bei einem Augenarztbesuchs erfahren.

Ich hatte aufgrund meines Umzugs meinen Augenarzt gewechselt. Hier wollte ich eine Routineuntersuchung und brauchte noch ein Rezept für ein neues Glasauge. (Das sollte man jedes Jahr machen, weil sie durch Gebrauch rau werden, was Probleme bereiten kann. 
Nachdem ich also eine Weile in der Praxis gewartet hatte, wollte die Arzthelferin Augentropfen zur Erweiterung der Pupille in beide Augen tropfen. Ich erklärte ihr, dass ich ein Glasauge hätte und  eine gemalte Pupille bei einem Glasauge nun mal nicht weit wird. Sie glaubte mir nicht. Ich wollte mir das Glasauge im Wartebereich nicht herausnehmen, um es ihr zu beweisen. Die Schwester segnete mich also reichlich mit den Tropfen und gab schließlich genervt auf. „dann muss sich das der Doktor eben selbst ansehen.“ verkündete sie lautstark. 

Im Sprechzimmer erklärte ich wieder, dass ich rechts ein Glasauge habe. Auch der Doktor glaubte mir nicht. Hier wollte ich das Glasauge entfernen. Kaum hob ich meine Hand, um das zu tun, rückte er mir mit seinem Untersuchungsgerät auf den Pelz. Inzwischen war ich genervt und ließ ihn gewähren. Seine Messergebnisse irritierten ihn völlig. Sein ermittelter Augendruck war eben der von Glas. Schließlich schaffte ich es dann doch die Sache aufzuklären. Der Arzt entschuldigte sich bei mir, auch im Namen seines Personals. 

Nachdem ich mich vom Erlebnis wieder erholt hatte, freute ich mich. Ein besseres Kompliment für die gelungen Gestaltung meines Glasauges als der Irrtum dieses Arztes konnte es doch nicht geben. 

Auch wenn der Verlust eines oder gar beider Augen ein heftiges Ereignis ist, beweist mein Erlebnis doch, wie gut Man diese Prothesen herstellen kann. Mit einem Glasauge kann man natürlich nicht sehen, was manche Leute denken. Aber es ersetzt den Verlust zumindest optisch und ästhetisch. Das verringert die gesellschaftlichen Folgen ungemein.
Selbst wenn jemand registriert, dass ich auf dem einen Auge nichts sehe, schließt fast niemand auf ein Glasauge, so zumindest meine Erfahrung.
Ich danke meiner Gastautorin für ihre Offenheit. Dabei respektiere ich ihren Wunsch anonym zu bleiben. Schließlich ist das Tragen einer Augenprothese etwas Privates. Und jeder Träger sollte selbst entscheiden wem er das sagt und wem nicht.  
Ich lade Euch ein in den Kommentaren über diesen Beitrag zu diskutieren. Und wer möchte, der darf gern über seine Erfahrungen auf diesem Gebiet schreiben. 

Von meinem ersten Versuch einen Kuchen zu backen

Meine Freundin Jenny und ich lernten uns in der siebten Klasse kennen. Wir hatten Schulen für blinde Kinder aus unterschiedlichen Bundesländern besucht. Und jetzt besuchten wir beide das Gymnasium an der Blista in Marburg. Wir sahen total gegensätzlich aus. Dennoch verwechselte man uns ständig. Wahrscheinlich lag es daran, dass wir während der Schulzeit zusammen hingen, in der Schule nebeneinander saßen und auch einen Großteil unserer Freizeit zusammen verbrachten.
Marburg war zu weit weg, um täglich nach Hause zu fahren. Daher lebten wir Schüler in einem Internat. Genauer gesagt in Wohngruppen, die in den ersten beiden Jahren aus etwa zehn Schülerinnen und Schülern und vier Betreuern bestanden. Sowohl meine Wohngruppe, als auch die, in der Jenny wohnte, befanden sich auf dem Schulgelände. Das hieß für uns, dass wir einen kurzen Schulweg hatten, zum zweiten aber auch, dass Jenny und ich uns jederzeit gegenseitig besuchen konnten. Wir waren beide in der Pubertät, und taten all das, was andere Kinder in diesem Alter eben tun.
Zum Konzept der Schule gehörte nicht nur der Schulunterricht. Außerhalb der Schulzeit gab es Mobilitätstrainer, die dazu da waren uns den Umgang mit dem Blindenstock beizubringen. Außerdem war auch Unterricht in sogenannten lebenspraktischen Fertigkeiten vorgesehen. Dazu gehörten Dinge wie kochen, putzen oder andere häusliche Tätigkeiten. Ziel war, dass wir im Laufe der nächsten Jahre immer selbständiger werden sollten, um eines Tages alleine leben zu können.
Unsere Wohngruppe besaß eine voll ausgestattete Küche, in der wir auch schon mal gemeinsam mit unseren Erziehern kochten, oder auch mal einen Kuchen backten.
Es muss in der achten Klasse gewesen sein, als Jenny und ich die Idee hatten alleine einen Kuchen zu backen. Dafür gingen wir richtig pragmatisch vor. Wir besorgten uns ein gedrucktes Rezept, schauten in der Küche nach ob alle Zutaten da waren und besorgten die Fehlenden im nächstliegenden Supermarkt.
Dazu muss ich sagen, dass ich damals noch mit Hilfe einer zwölffach vergrößernden Lupe gedruckte Bücher bzw. Anweisungen auf Lebensmittelverpackungen lesen konnte.
Also holten wir eine große Backschüssel, eine blindengerechte Küchenwaage und den elektrischen Handmixer aus dem Schrank und führten alle Schritte aus, die auf dem Rezept angegeben waren. Dabei hatten wir einen Heidenspaß.
Als letzten Schritt gaben wir das Mehl hinzu. Zwar wunderten wir uns ein bisschen, dass es so viel sein musste, befolgten die Anleitung trotzdem. Was im Kochrezept steht, musste schließlich richtig sein. Seltsam war nur, dass der Teig irgendwann eine betonartige Konsistenz annahm, und der Mixer anfing zu qualmen.
Da wir beiden noch keine Erfahrung im Umgang mit hartem Teig und rauchenden Mixern hatten, kontrollierte ich das Rezept. Es stimmte alles. Und so war ich erst mal ziemlich fertig mit der Welt. Was hatte ich hier bloß falsch gemacht? Nachdem wir beide keine Idee für das weitere Vorgehen hatten, beschlossen wir schweren Herzens doch mal unsere diensthabende Erzieherin zu fragen. Diese zeigte uns dann, wie man den Kuchen retten konnte. Nachdem dieser dann endlich im Backofen vor sich hin backte, suchte ich wieder und wieder nach dem Fehler, den wir vermutlich gemacht hatten. Ich war absolut fertig mit der Welt. Unsere Erzieherin sah sich das Rezept an, und merkte sofort, dass sich bei der Mengenangabe des Mehls ein Druckfehler im Rezept befand. In diesem Moment ist mir wahrscheinlich nicht nur ein Stein, sondern ein ganzer Felsblock vom Herzen gefallen.
Wenn Jenny und ich hin und wieder miteinander telefonieren, erinnern wir uns immer wieder gern an diesen Nachmittag und lachen gemeinsam darüber. So ein Erlebnis verbindet eben.

Essen im Dunkeln

Zum ersten Mal kam ich durch eine Jugendgruppe der Blindenselbsthilfe mit dem Thema Essen im Dunkeln in Berührung. Damals veranstalteten wir einen Tag der offenen Tür. Ein Highlight war, dass Gäste eine schwarze Augenbinde auf bekamen. Sie durften nun ein Stück Kuchen blind essen, und wurden währenddessen mit einer Sofortbildkamera fotografiert. Dieses Bild durften sie zur Erinnerung an dieses Erlebnis mit nach Hause nehmen.

Seit mehr als 10 Jahren habe ich für diverse Dunkelprojekte gearbeitet. Dazu gehören auch Dunkelrestaurants, Dunkelkaffees oder Dunkelbars. Sie alle haben eines gemeinsam, nämlich dass man etwas zu sich nimmt, ohne es sehen zu können.

In den meisten Dunkelrestaurants, für die ich gearbeitet habe, wird ein Menü serviert, welches für den Gast unsichtbar ist. Er darf es mit seinen anderen Sinnen wahrnehmen, und gibt lediglich an ob er Fleisch oder vegetarisch möchte, und ob er bestimmte Lebensmittel grundsätzlich nicht essen möchte oder darf. Darauf wird dann bei der Zusammenstellung des Menüs Rücksicht genommen.

Die Philosophie dahinter ist, dass der Gast die Speisen und Getränke selbst erschrecken und mit seinen anderen Sinnen wahrnehmen soll. Am Ende wird das aufgelöst, so dass er weiß inwieweit er richtig gelegen hat. Wir sperren das Auge, welches sonst mit isst, während des Essens aus, und holen es später wieder dazu.

Die Kellner sind blind oder sehbehindert. Ihre Aufgabe ist es nicht nur Speisen und Getränke zu servieren, sondern auch die Gäste für das Thema Blindheit und Wahrnehmung zu sensibilisieren, Fragen zu beantworten und für die Belange der Gäste da zu sein.

Das beginnt damit, dass die Gäste im Dunkeln an den für sie vorgesehenen Tisch geführt werden. Sobald sie Platz genommen haben, erkläre ich ihnen ihren Platz. Möchte ein Gast zwischendurch den Raum verlassen, dann macht er das nicht alleine, sondern ausschließlich mit blinder Begleitung. Denn die kennt sich hier besser aus als der normal sehende Gast.

Am praktischen Beispiel lernen die Gäste, dass man auch ohne zu sehen lebenspraktische Fertigkeiten beherrschen kann. Und wir versuchen ihnen zu vermitteln, dass Blindheit nicht gleich Dunkelheit und Hilflosigkeit bedeutet. Es ist quasi ein Perspektivwechsel im abgesicherten Modus.

Bei jedem Arbeitseinsatz kommt garantiert die Frage: „Ist der Koch auch blind“? Bis auf eine Ausnahme habe ich bisher stets mit sehenden Köchen zusammengearbeitet. Was die meisten Gäste beschäftigt ist wohl eher die Frage ob es möglich ist trotz Blindheit unfallfrei zu kochen. Tja, funktionierende Augen sind keine Garantie für eine genießbare Mahlzeit, wie ich schon öfter in meinem Leben erfahren durfte. Und ebenso unterschiedlich ist es auch bei Menschen mit einer Sehbehinderung. Ich erkläre den Gästen dann wie ich beim Kochen oder Backen vorgehe. In meiner eigenen Küche kenne ich mich aus. Da habe ich meine Ordnung und meine Haushaltsgeräte, die mir vertraut sind und meinen Anforderungen entsprechen. Mein Herd hat einrastende Knöpfe, so dass ich sofort fühlen kann auf welcher Temperatur er eingestellt ist. Und da ich meine Gewürze in gleichen Behältern untergebracht habe, habe ich sie mit Braille beschriftet. Das geht schneller als an jedem Gewürz zu riechen.

Und nein, ich verbrenne mir auch nicht regelmäßig die Finger auf dem Herd. Den kenne ich gut genug, um zu wissen wohin ich greifen darf und wohin besser nicht.

Problematisch wird es für mich in fremder Umgebung. Hier brauche ich ein bisschen, um mich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Was eine normal sehende Person mit einem Blick erfasst, muss ich mir erst mal ertasten oder von jemandem erklären lassen. Das dauert etwas länger.

Außer der von mir beschriebenen Art in einem Dunkelrestaurant zu arbeiten gibt es noch andere Konzepte. In einem Projekt wurden den Gästen lichtundurchlässige Brillen aufgesetzt. Der Gast hat damit zwar das Erlebnis Essen im Dunklen, die Bedienung erfolgt durch herkömmliche Servicekräfte. Dieses Vorgehen wird gern genutzt, um die Servicekräfte für nicht sehende Gäste zu sensibilisieren.

In anderen Lokalen wird mit sogenannten Nachtsichtgeräten gearbeitet. Dem Gast wird ein Essen im Dunkeln geboten, die Bedienung erfolgt jedoch nicht durch Blinde oder Sehbehinderte. Hier ist das Ziel auch nicht die Sensibilisierung oder Aufklärung der Gäste, sondern lediglich die gastronomischen Events essen im Dunkeln.

Ich habe noch nie in einem der zuletzt beschriebenen gastronomischen Events gearbeitet. Für mich fühlt sich das einfach falsch gegenüber den Gästen an. Und dafür würde ich mich nicht hergeben. Aber das ist und bleibt meine persönliche Meinung.

Wenn Ihr also plant im Dunkeln essen zu gehen, dann fragt vorher mit welchem Konzept das Lokal arbeitet, und entscheidet dann selbst ob Ihr damit einverstanden seid. Ansonsten bringt gute Laune und eine gesunde Neugierde mit. Den Rest machen die Mitarbeiter. Und zwar gemeinsam mit Euch.

Als ich versuchte, in einem Fitnessstudio zu trainieren

Januar 2016. Meine Kinder, 15 und 16 Jahre alt, lagen mir damit in den Ohren, ins Fitnessstudio gehen zu dürfen. Also ging ich mit und regelte den Vertrag für meine noch minderjährige Tochter. Da ich ebenfalls Lust bekam, mich körperlich zu betätigen, vereinbarte ich einen Termin für ein eigenes Probetraining. Hier wurde mir alles gezeigt. Auch konnte ich die einzelnen Geräte ausprobieren. Dabei stellte ich fest, dass Fahrrad, Laufband und Zirkel für mich ohne fremde Hilfe zugänglich waren. Ich könnte also selbständig Sport treiben, ohne dass ich Hilfe beim Einstellen der einzelnen Geräte brauchte. Das ist nicht unbedingt der Standard. Viele Geräte lassen sich nur noch über den Bildschirm bedienen. Das einzige, was hier über Bildschirm lief, war der Timer. Und den konnte ich mir selbst mitbringen. Wozu gibt es schließlich Organizer mit Sprachausgabe, sprechende Uhren mit Timerfunktion oder Smartphones, die eine Sprachausgabe haben?

Mit der Trainerin vereinbarte ich einen zusätzlichen Termin, der unter realen Bedingungen stattfinden sollte. Im Klartext hieß das, dass ich selbständig in die Umkleide und an die mir bekannten Geräte ging. Das war alles kein Thema. Das einzige, was nicht ordentlich ausgeführt wurde, waren zwei Übungen, die die Trainerin bei mir korrigierte. Dasselbe tat sie auch bei anderen Trainierenden. Nachdem ich mich wieder umgezogen hatte, meinte sie, dass es von ihr aus kein Problem gäbe, da sie gesehen habe, dass ich mich gut zurechtfinde. Die Entscheidung über meine Aufnahme müsse jetzt der Inhaber treffen.

Da ich das für eine reine Formsache hielt, meldete ich mich zwischendurch, wurde jedoch vertröstet. Man konnte den Inhaber noch nicht fragen. Und so gingen ca. zweieinhalb Monate ins Land, ohne dass ich ein Ergebnis hatte.

Es war Mitte April als ich über Facebook einen Artikel über Diskriminierung teilte. Hier gab ich den bisherigen Verlauf als mein persönliches Erlebnis zu dieser Thematik wieder. Irgendjemand aus meiner Freundesliste teilte das dann in einer regionalen Facebookgruppe. Und hier löste das eine Diskussion zum Thema Gleichbehandlung aus. Daraufhin wurde die Frage an das Fitnessstudio herangetragen. Ein Anruf der Trainerin informierte mich darüber, dass der Inhaber zwar zugestimmt habe, die Versicherung jedoch noch prüfen müsse, ob das so in Ordnung sei. Denn schließlich sei ich die erste Kundin mit einer Sehbehinderung, die sich bei ihnen anmeldete. Und da ich keine Ahnung von der Materie hatte, akzeptierte ich das. Schließlich glaubte ich bis dahin noch immer an die Formsache.

Das war erst mal das letzte, das ich von dem Fitnessstudio hörte. Und da ich im Sommer am Fuß operiert wurde und an Sport nicht zu denken war, kümmerte ich mich nicht weiter drum.

Irgendwann im August suchte ich über eine regionale Gruppe in Facebook nach einer Laufbegleitung. Ich erwähnte beiläufig, dass sich meine Anmeldung im Fitnessstudio meiner Wahl wohl erledigt habe. Denn solange braucht keine Versicherung, um eine Entscheidung über eine Mitgliedschaft zu treffen.

Es war Ende November als mein Mann und mein fast 16jähriger Sohn ebenfalls dort hingingen. Mein Sohn wollte dort ebenfalls trainieren. Als mein Mann fragte was nun aus meiner Mitgliedschaft geworden sei, teilte man ihm mit, dass die Versicherung negativ beschieden hätte. Man habe mich informiert und ich hätte gesagt, dass sich das bereits erübrigt habe.

Also, dass ich dort nicht einfach so trainieren konnte, damit hatte ich mich abgefunden. Wer mich nicht will, der hat mich auch nicht verdient. Aber dass mir etwas in den Mund gelegt wurde, dass ich gar nicht gesagt habe, wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass man sich hier hinter versicherungsrechtlichen Floskeln versteckte.

Ich schilderte unserem Bürgermeister die Geschichte, der mir versprach nachzuhaken. Auf seine schriftliche Nachfrage erklärte das Fitnessstudio, es schließe mich nicht aus. Ich sei willkommen, sofern ich eine Sondervereinbarung unterschreiben würde. Außerdem räumte man ein, dass man mein Desinteresse aus Facebook bezogen habe. Ich war erst mal sprachlos.

Unser Bürgermeister wollte der Sache auf den Grund gehen, und Lud die Trainerin, den Inhaber des Fitnessstudios und mich zu einem persönlichen Gespräch ein. Hier bestand der Inhaber auf eine Sondervereinbarung, welche er auch gleich vorlegte. Er erklärte, dass man keine Kapazitäten habe, jemanden abzustellen, der mich die ganze Zeit herumführen könne. Und Gäste lassen auch schon mal was am Boden liegen. Unser Bürgermeister erklärte dem Inhaber, dass diese Haltung absolut diskriminierend sei. Und wenn die Versicherung nach wie vor darauf besteht, dann sollte er sich doch einen kompetenteren Versicherungsberater suchen. Denn schließlich würde man andere Trainierende auch nicht fragen, ob sie regelmäßig trinken, unter Wahrnehmungsstörungen leiden oder auch mal unvorhergesehen umfallen. Stattdessen stellt man mich auf eine Stufe mit einem Kind unter 16 Jahren, welches nicht ohne Begleitung eines Erwachsenen trainieren darf.

Als sich die Presse dieses Themas annahm, bekam ich einen Anruf vom Fitnessstudio. Der Inhaber erklärte er, dass ich doch mit einem meiner Kinder trainieren könne. Alternativ würde man versuchen, mir eine Aufsicht zur Seite zu stellen. Beides lehnte ich aus Prinzip ab. Weder sind meine Kinder für mich verantwortlich, noch unterliege ich einer Aufsichtspflicht.

Als der Presseartikel erschien, bekam ich einen Anruf. Ich könne sofort anfangen, dort zu trainieren. Aber inzwischen wollte ich das nicht mehr.

Dieses Fitnessstudio kommt künftig nicht mehr für mich in Frage. Denn ich werde mein Geld ganz sicher nicht in einer Einrichtung ausgeben, welche Vorbehalte gegenüber Menschen mit Behinderung hat und sich hinter versicherungstechnischen Floskeln versteckt. Ich habe sehr schnell zwei Einrichtungen gefunden, die mich sofort zu einem kostenlosen Probetraining eingeladen haben. Beide hatten kein Problem damit, mich ohne irgendwelche Sondervereinbarungen trainieren zu lassen.

Im Übrigen steht nirgendwo geschrieben, dass jemandem aufgrund seiner Einschränkung die Mitgliedschaft verwehrt werden darf. Alle Welt spricht von Inklusion und Gleichbehandlung. Und dennoch tauchen immer wieder Fälle in den Medien auf, wo Menschen mit einer Behinderung der Zutritt ins Schwimmbad, Fitnessstudio oder Sauna verwehrt wird. Angeblich weil diese eine höhere Eigengefährdung oder Fremdgefährdung darstellen. Die Erfahrung zeigt, dass diejenigen, die solche Entscheidungen treffen, kaum Berührungspunkte mit unserem Personenkreis haben. Und hier gibt es die rechtlichen Grundlagen dazu, die ich der Seite von RBM, Rechte behinderter Menschen, entnommen habe.

Mir geht es nicht darum, die Geschichte von der armen Blinden und dem bösen Fitnessstudio zu erzählen. Mir geht es vielmehr darum, anhand dieses konkreten Beispiels zu erklären, dass auch Menschen mit einer Sehbehinderung erwachsen werden und genauso auch behandelt werden möchten. Wenn also ein blinder Mensch durch ein Fitnessstudio läuft, dann hat er genau zwei Optionen. Entweder sein Sehrest ist ausreichend, um Gegenstände am Boden auszumachen und sie zu umlaufen, oder er nimmt einen Blindenstock in die Hand, mit dessen Hilfe er nicht darüber stolpert. Von einem erwachsenen Menschen erwartet man, dass er für sich selbst die Verantwortung trägt. Und das gilt auch für sehbehinderte Menschen. Oder würde man bei einem normal sehenden anders verfahren, nur weil er mal in die Luft geschaut hat und über eine herumliegende Hantel gestolpert ist? Ich glaube nicht!

Ich lade alle ein, in den Kommentaren über diesen Artikel zu diskutieren.

Grosskampftag, 3 Stunden bis zum Bus

Das Foto zeigt mich vor einer Sonnenuhr.

Ich werde oft gefragt wer mir den Haushalt macht oder ob meine Kinder mir viel helfen. Daher habe ich mal über einen Morgen eines Großkampftags geschrieben. Vor allem die Eltern unter Euch können anschließend selbst beurteilen inwieweit sich Euer Alltag von meinem Unterscheidet, und wie viel wir gemeinsam haben. 

Halb sieben Uhr morgens. Normalerweise hätte ich noch etwas Zeit, bis mein Tagewerk beginnt. Aber nicht an diesem Tag. Mein Sohn Grillt heute mit seiner Klasse und hat sich verpflichtet einen Kuskussalat mitzubringen. Und wer bereitet diesen zu? Mama natürlich. Und weil der frisch sein muss, passiert das früh morgens. Denn heute Vormittag habe ich versprochen einen Workshop zu halten. Im Klartext: die nächsten drei Stunden werden sicher nicht langweilig werden. 

Mein Mann hat mir eine Tasse Kaffee gemacht. Und normalerweise ist eine Tasse meiner morgendlichen Droge meine erste Amtshandlung des Tages. Aber wenn ich den Salat vor Schulbeginn mitnahmefertig haben will, dann bleibt dafür keine Zeit. Also inhaliere ich den ersten Schluck und dann nichts wie ab durch die Mitte.

Den Kuskus habe ich gestern Abend vorgekocht. Also hole ich mein Gemüse aus dem Kühlschrank wasche es kalt ab und zerkleinere es in rekordverdächtiger Geschwindigkeit. Jetzt nur noch die nötigen Kräuter aus dem Garten holen, abwaschen und zerhacken, würzen, Essig und Öl dazu, fertig.

Misst, ich habe vergessen gestern die Steaks aus der Gefriertruhe zu nehmen. Also gut, bis heute Nachmittag sind die aufgetaut. Dann gebe ich ihm das Grillsalz eben mit, schärfe ihm aber ein, dass die Gewürzdose zurückkommen muss. Auch wenn sie leer ist. schließlich ist sie mit Braille beschriftet. Innerlich habe ich mich allerdings davon verabschiedet. 

Es ist fast halb acht, als ich dazu komme in Ruhe eine Tasse Kaffee zu trinken. Dabei schaue ich mit meinem Smartphone was es neues auf Facebook gibt, lese und beantworte meine Nachrichten und plane meinen Tagesablauf, während die erste Waschmaschine läuft. Mein Sohn hat mir vorhin erklärt, dass er zwischendurch noch mal nach Hause kommt und die Sachen für das Grillen holt. Warum erst jetzt? Dann hätte ich mich heute früh nicht abhetzen müssen. 

Da ich nachher in Frankfurt arbeite, will ich anschließend zum Applestore. Denn der Akku meines IPhone ist evtl. defekt. Und da Sohnemann heute Mittag nicht zuhause isst, erübrigt sich die mittägliche Raubtierfütterung. Und meine Tochter ist auf einem Workshop. Ich frage sie per WhatsApp wann sie nach Hause kommt. 

DHL hat eine E-Mail geschickt, dass die bestellten Pflanzsäcke zwischen 12 und 15:00 Uhr kommen. Also abklären, ob die Nachbarn da sind. Ach ja, Blumenerde liefern lassen. Und zwar noch heute. Den morgen ist Feiertag mit anschließendem langem Wochenende. Und die Obststräucher warten seit drei Tagen auf ihr neues Domizil. 

8:00 Uhr. Die Küche ist inzwischen aufgeräumt, der Tagesablauf so halbwegs geplant, und die Küche wieder in einem brauchbaren Zustand. Ich stecke mir mein Headset ans Ohr, damit ich die Hände frei zum Arbeiten habe. Denn die Erfahrung hat mich gelehrt, dass mein Telefon immer dann klingelt, wenn ich gerade am Arbeiten bin. Sprachsteuerung sein dank geht das jetzt auch ohne Smartphone aus der Tasche holen. Also, Wäsche zusammenlegen, damit auf meinem Wäscheständer Platz für den Inhalt der laufenden Waschmaschine ist. Zwischendurch erinnert mich mein Smartphone an zwei Anrufe, die ich jetzt erledigen musste. Gut, dass meine Gesprächspartner nicht sehen können, dass ich meine Wäsche lege, während wir telefonieren. Ich bin ja multitaskingfähig.  

Halb neun. Endlich ist die Wäsche fertig, und der Wäscheständer leer. Während ich mich an das Aufhängen der nassen Wäsche mache, schreibt mir meine Tochter, dass sie um 15:00 Uhr zuhause ist. Ok, das muss jetzt warten. Wenn ich nachher im Bus sitze, werde ich ihr antworten. Jetzt muss ich erst mal zusehen, dass ich diesen Bus erreiche. 

Neun Uhr. In 20 Minuten fährt mein Bus. Ich habe die Wäsche so aufgehängt, dass mir das Bügeln erspart wird, die nächste Maschine vorbereitet und den Rasensprenger angestellt. Zum Gießen meiner Pflanzen per Hand bleibt mir heute Morgen keine Zeit mehr. Und so wie ich aussehe, gehe ich besser nicht unters Volk. Also schnell ins Bad mit anschließendem Umziehen. Dann das Wasser abstellen, meine Tasche greifen und auf dem Weg nach draußen alle Fenster schließen. 

An der Haustür angekommen, schaue ich noch mal auf mein Smartphone. Mein Bus fährt laut Plan in fünf Minuten. Also, Brille auf die Nase, Blindenstock in die Hand, und nichts wie ab durch die Mitte. 

Warum blinde Computernutzer spezielle Schulungen brauchen.

 
Das Bild zeigt ein Laptop mit angeschlossener Braillezeile. Darauf liegen meine Finger.

Ich benutze ein handelsübliches Notebook. Und auch Tastatur, Scanner und Drucker kommen aus dem herkömmlichen Handel. 

Du fragst Dich jetzt sicher warum ich unbedingt eine spezielle Schulung im Umgang mit eben diesen Geräten brauche. Und wenn ich Dir jetzt auch noch sage, dass ich handelsübliche Software auf meinem Computer habe, dann wirst Du sicher den Kopf schütteln. 
Sprüche wie: „Da gibt es doch ein Tutorial im Internet“ oder „Geh doch mal zur Volkshochschule. Da werden Kurse angeboten“, bekomme ich oft zu hören. 
Fangen wir mal damit an, dass ich Dir erkläre wie ich mit dem Computer arbeite. Ich schreibe mit einer herkömmlichen Tastatur. Das habe ich schon in der Schule gelernt. Die Grundstellung der meisten Tastaturen ist ähnlich gelagert. Problematisch wird es bei Sonder- oder Funktionstasten. Die sind bei vielen Geräten unterschiedlich. Du kannst sehen wo bei welcher Tastatur die steuerungstaste, die Tabulatortaste oder die Entfernentaste ist. Ich nicht. Entweder probiere ich das solange aus, bis ich es herausgefunden habe, oder ich brauche jemanden, der sieht und mir sagen kann wo diese Tasten liegen. Bei Sondertasten ist das genauso. 
Nun ist es aber nicht damit getan, dass ich auf dem Computer schreiben kann. Ich muss auch lesen können, was ich da geschrieben habe. Das passiert mit Hilfe eines Programms, welches im Hintergrund läuft, und mir das Geschriebene vorliest. Dieses Programm ist auch dafür zuständig mir alles anzusagen, was sich auf dem Bildschirm tut. Dazu sagt man Screen Reader, zu Deutsch Bildschirmvorleseprogramm. Damit kann ich Texte schreiben und korrigieren, im Internet surfen oder mein Bankkonto verwalten.   
Manchmal reicht es nicht aus, dass der Bildschirminhalt gesprochen wird, oder ich will nicht, dass jeder mithört was ich mache. Dann habe ich vor meiner Tastatur eine Braillezeile. Das ist ein Gerät, welches mir Zeichen und Wörter, die auf dem Bildschirm stehen, in Brailleschrift übersetzt. Das kann ich dann mit den Fingern lesen. Das funktioniert bei mir präziser als mit der Sprachausgabe, geht dafür aber nicht so schnell. Denn die Sprache kann ich sehr schnell einstellen. Das brauche ich, wenn ich einen Text möglichst schnell vorgelesen bekommen möchte. 
Ich gehe mal davon aus, dass Du mit einer Maus arbeitest und ganz normal sehen kannst. Du schaust also auf den Bildschirm und siehst sofort wo Deine Informationen stehen, wo sich was verändert und vor Allem wie Dein Text aussieht. Wenn Du im Internet unterwegs bist, siehst Du sofort wo Text steht, wo Du etwas hineinschreiben kannst und wohin Du klicken musst, um das ganze abzuschicken. Kurz, Du schaust einmal auf den Bildschirm und kannst ihn im Ganzen überblicken. 
Ich kann nur einen kleinen Ausschnitt auf dem Bildschirm auf einmal wahrnehmen. Stell Dir vor, Dein Bildschirm wäre mit einem großen Stück Bastelpappe zugedeckt, in welchem sich ein Loch befindet. Dieses Loch ist etwa eine Zeile hoch und etwa so breit wie Dein Zeigefinger lang ist. Und jetzt stell Dir vor, Du kannst Deinen Bildschirm nur durch dieses Loch sehen. Dann hast Du nur einen kleinen Ausschnitt, den Du sehen kannst. Willst Du wissen was rechts, links, über oder unter diesem Bereich steht, dann musst Du Dein Loch verschieben und erneut durchgucken. 
So in etwa funktioniert es, wenn ich mir einen Bildschirminhalt erschließe, den ich noch nicht kenne. Und so geht es auch auf Internetseiten. Der Bildschirm fängt links oben an, und hört rechts unten auf.  
Ähnlich funktioniert es auch bei Programmen, die ich neu bekommen habe. Du siehst, dass das eine zeitraubende Angelegenheit werden kann. Und manchmal ist es auch frustrierend, wenn di Seite    schlecht programmiert ist, und Dir deshalb nicht alles vorgelesen wird. Wenn eine Seite Barrierefrei für Blinde programmiert ist, finde ich mich ohne fremde Hilfe gut darauf zurecht. 
Screen Reader sind speziell für Blinde und Sehbehinderte Nutzer  programmiert worden. Sie beinhalten eine Menge Tricks und Tastenkombinationen, die es uns einfacher machen uns schnell auf dem Computer zurechtzufinden. Denn auch Blinde haben mehr zu tun als sich eine Seite Stundenlang zu erarbeiten. 
Ach ja, ein Blinder bedient seinen PC grundsätzlich mit der Tastatur. Die Maus ist nur etwas für Sehende, oder Sehbehinderte Nutzer, die die Maus auf dem Bildschirm noch mit den Augen verfolgen können. Wenn ich also an eine bestimmte Stelle des Bildschirms springen möchte, dann gibt es ein Tastenkürzel, welches mich hinbringt, oder ich kann mit einem Tastenbefehl eine vorher definierte Funktion ausführen. Habe ich also eine neue Internetseite vor mir, dann kann ich mit einem Tastenkürzel erst mal von Überschrift zu Überschrift springen, um mir einen groben Überblick zu verschaffen.
Bekommt ein Blinder ein solches Programm, dann braucht er eine Schulung, damit er auch effizient damit arbeiten kann. Ein Programm, das mir das Leben schwer macht, ist eine Belastung, eines, welches mir Erleichterung bringt, eine Entlastung. Und die habe ich erst, wenn ich die Tastaturkürzel, Tricks und Kniffe auswendig gelernt habe. 
Diese Einweisung macht jemand, der nicht nur mit dem Programm vertraut ist, sondern auch genau weiß wie Blinde und Sehbehinderte arbeiten, und wie die unterschiedliche Wahrnehmung funktioniert. Es gibt Anbieter, die sich darauf spezialisiert haben blinden Nutzern die Funktion von Programmen oder das Surfen im Internet so zu erklären, dass sie damit zurechtkommen. 
Es gibt tatsächlich Blinde User, die sich Programme gut alleine erarbeiten können. Genauso, wie es auch sehende Nutzer gibt, die ohne ein Handbuch wissen wie ein bestimmtes technisches Gerät funktioniert. Aber die meisten Blinden User freuen sich, wenn sie von einer Fachkraft geschult werden können. 
Es gibt diese Schulungen sowohl in der Gruppe als auch im Einzelunterricht. Das ist wie bei Sehenden Kursteilnehmer auch, die einen Gitarrenkurs belegen. Die einen kommen in der Gruppe zurecht, Andere haben mehr vom Einzelunterricht. Vor Allem wenn es sich um spezielle Inhalte handelt, die nicht so oft gefragt werden.
Ziel einer solchen Schulung sollte immer sein, das der Nutzer sich neue Inhalte alleine erschließen kann. Denn man muss nicht alles wissen. Man sollte nur wissen wo es steht. Und natürlich wie man auch blind an diese Informationen kommt.