Auf dem Bild ist die Arab. Episkopal School zu sehen. Das ist eine Schule, welche blinde, sehbehinderte und normal sehende Jungen und Mädchen aller Glaubensrichtungen unterrichtet. Sie liegt in Irbid, der zweitgrößten Stadt Jordaniens. Gegründet wurde sie 2003. Das Motto der Schule heißt nicht den Fokus auf die Unterschiede, sondern auf die Gemeinsamkeiten lenken.

Zunächst einmal möchte ich einige Zahlen und Fakten über Jordanien nennen. Diese sind wichtig, um die Zusammenhänge besser zu verstehen.

Jordanien ist etwa 3mal so groß wie Baden Württemberg und hat 9,7 Millionen Einwohner. Irbid ist etwa 90 km nördlich von der Hauptstadt Amman entfernt, und die zweitgrößte Stadt Jordaniens. Hier leben etwa 1,7 Millionen Einwohner und 359.000 syrische Flüchtlinge. Die Gegend um Irbid ist sehr ländlich und die Entfernungen zwischen den mehr als 70 umliegenden Dörfern weit.

In Amman, befindet sich die einzige Staatliche Blindenschule für ganz Jordanien. Hier gehen blinde und sehbehinderte Kinder im Alter von sechs Jahren auf ein Internat. Einen Kindergarten oder andere frühkindliche Einrichtung gibt es nicht. Für die Kinder bedeutet dies, dass sie erst im Alter von sechs Jahren die erste blindengerechte Förderung erfahren dürfen. Viele Familien halten behinderte Kinder im Verborgenen, da diese gesellschaftlich nicht anerkannt werden. Da die Schulpflicht in Jordanien lediglich 6 Jahre beträgt, braucht es eine Menge an Eigeninitiative der Familien, um blinden Kindern den Zugang zu Weiterbildung zu ermöglichen.
Pfarrer Samir Esaid von der anglikanischen Kirche verfolgte eine andere Idee. Er wollte, dass Kinder mit einer Sehbehinderung vom Kindergartenalter an eine Förderung bekommen. Und das sie gemeinsam aufwachsen, lernen und leben kann. Und zwar ohne von ihren Familien getrennt zu werden. Also wurde zunächst einmal ein integrativer Kindergarten ins Leben gerufen. Für die meisten blinden und sehbehinderten Kindern war dies die erste Gelegenheit außerhalb ihrer Familie zu sein und sich Kindgerecht zu entwickeln.

Neben der frühkindlichen Förderung wurde den blinden Kindern auch die Brailleschrift vermittelt. Diese sollte die Kinder in die Lage versetzen gemeinsam mit normal sehenden Kindern dem Unterricht in der Schule zu folgen. Zu den Aufnahmebedingungen der Schule gehört auch, dass ein Familienmitglied ebenfalls die Brailleschrift erlernen muss, um das Kind später in der Schule bei Hausaufgaben zu unterstützen.

Angedacht war, dass die Kinder nach dem Kindergarten auf umliegende Schulen verteilt und inklusiv beschult würden. Nur fand sich keine Schule, die auch die blinden Kinder unterrichten wollte. Daher ging man den umgekehrten Weg. Es wurde eine Schule für blinde Kinder gegründet und für sehende Kinder geöffnet. Bisher ein einzigartiges Konzept in diesem Land. Jedes Jahr kam eine weitere Klasse dazu.

Die meisten blinden oder sehbehinderten Kinder stammen aus ärmlichen Verhältnissen. Daher ist für sie der Schulbesuch kostenlos. Der Unterricht findet auf Privatschulnivo statt, um den Schulbesuch für normal sehende Kinder attraktiver zu machen. Der Rest finanziert sich durch Spenden aus verschiedenen Quellen, unter anderem auch aus Deutschland.

Inzwischen besuchen 256 Kinder die Schule, davon 40 blinde und sehbehinderte. Von 40 Lehrkräften sind 5 blind oder sehbehindert. Außerdem beschäftigt die Schule hauseigene Busfahrer, die die Schüler aus umliegenden Dörfern zur Schule und wieder nach Hause bringen. Weiter wird die Schule durch Volontäre aus Deutschland und Kanada unterstützt.

Ich hörte 2013 zum ersten Mal von dieser Einrichtung. Eine Schulfreundin schickte mir einen Zeitungsartikel zu, in welchem ausführlich darüber berichtet wurde. Kurz darauf erfuhr ich, dass es in den Räumen der Blindenselbsthilfe einen Jordanischen Abend mit arabischem Essen usw. geben würde. Hier wurde der Schulgründer als Referent erwartet. Das machte mich sehr neugierig. Und ich hatte eine ganze Reihe Fragen, die ich ihm stellen wollte.

Und so lernte ich Pfarrer Samir Esaid und seinen Begleiter Diakon Gunter Hell kennen. Es war ein mitreißender Vortrag. Dieser weckte wiederholt den Wunsch in mir bei diesem Projekt aktiv mitzuwirken.

Selbst als blindes Kind arabischer Eltern konnte ich die ‚Situation blinder und sehbehinderter Kinder im ländlichen Irbid nachvollziehen. Nur hatte ich das Glück Eltern zu haben, die mir den Zugang zu Bildung geebnet haben. Sie sind mit mir nach Deutschland gezogen, haben mich mein Abitur machen lassen. Und sie haben sich zu keiner Zeit für meine Behinderung geschämt. Kurz, ich führe ein selbstbestimmtes Leben. Und jetzt hatte ich den Wunsch etwas davon weiterzugeben. Ich wollte dazu beitragen, dass andere blinde und sehbehinderte Kinder, die nicht so viel Glück hatten, mehr Hilfe erhielten.

Die folgenden Tage nutzte ich zur Recherche über die Schule und deren Mitarbeiter und Projekte. All das faszinierte mich so sehr, dass ich nun endgültig beschloss aktiv mitzuarbeiten. Ich traf mich später mit Diakon Gunter Hell und informierte mich darüber was am nötigsten gebraucht wurde. Dabei erfuhr ich, dass den Schülern oft elementare Dinge fehlten, wie eine Punktschriftmaschine. Das ist eine Schreibmaschine für Brailleschrift, bei der man alle Punkte zeitgleich betätigen kann. Sie schrieben oft noch mit Schreibtafeln, bei denen man mit einem spitzen Griffel jeden Punkt einzeln einstechen musste. Die Schule wünschte sich u. a. für jedes Kind ab der dritten Klasse eine eigene Schreibmaschine. Ähnlich stand es mit anderen Hilfsmitteln.

Ich wusste, dass viele ‚Blinde in Deutschland das ein oder andere Hilfsmittel nicht mehr brauchten, oder gegen ein anderes, moderneres austauschten. Also suchte ich gezielt auf einschlägigen Internetseiten nach diesen Hilfsmitteln, die zu kleinen Preisen zum Verkauf angeboten wurden. Manchmal schaltete ich selbst Anzeigen und startete Spendenaufrufe.

Auf diese Weise kamen drei oder vier Punktschriftmaschinen zusammen, die ich 2014 nach Jordanien transportieren konnte. Das war für mich das Highlight nebst einiger Lupen und anderen Hilfsmitteln für den Alltag. Bei der Auswahl der Geräte achtete ich darauf, dass es Dinge waren, die robust oder leicht zu reparieren waren. Denn was nützt einem ein teures Hilfsmittel, welches irgendwann teuer gewartet werden muss?

2015 verließen die ersten Zehntklässler die Arab. Episkopal school. Angedacht war, dass die blinden und sehbehinderten Schüler auf eine weiterführende Schule ihr Abitur machen können, während andere, die das nicht machen wollen oder können, eine Ausbildung erhielten. Es geht darum diesen jungen Menschen zu ermöglichen einen Beruf zu ergreifen und zum Unterhalt der Familie beizutragen. Bis jetzt konnte dieses Vorhaben aus Kostengründen noch nicht umgesetzt werden. Wir hoffen, dass dies in nächster Zeit ermöglicht werden kann. Denn die Alternative heißt zuhause bleiben und finanziell von der Familie abhängig zu sein. Und das ein Leben lang.

Ich werde in meinem Blog weiter über dieses Projekt berichten. Für diejenigen, die aktiv helfen möchten. Schreiben Sie mich an, oder schauen Sie auf der Homepage nach. http://www.aeschool.org

Dort können Sie sich auch direkt an den Schulgründer wenden, der sehr gut deutsch spricht.

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Ein Kommentar zu „Die Arab. Episkopal School, Teil 1

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