Das Foto zeigt zwei Katzen vor einer Haustür. Beide schauen einander an.

Als ich Gucki kennenlernte, war er kein Vierteljahr alt. An sich eine Handvoll Katze in Schwarz gehalten mit ein bisschen weiß auf der Brust und den Vorderpfoten. Er war ein verschmuster und zutraulicher Kater, der keine Tapeten zerkratzte, einen nicht ansprang und auch mit Kindern sehr gut zurechtkam.

Gucki liegt auf einem Stapel Kisten auf die ein Handtuch gelegt wurde.

Als er vielleicht anderthalb Jahre alt war, verlor ich ihn aus den Augen. Bei uns hatten auch zwei junge Katzen Einzug gehalten. Es waren zwei Brüder, die sich nicht besonders vertrugen. Lucky ließ Jockel nicht einfach so fressen und so weiter. Tja, und manchmal wurde so manche Streitigkeit zuhause begonnen. Dann mussten die Beiden höflich nach draußen gebeten werden.

Lucky verließ uns irgendwann. Er hatte sich Dosenöffner aus der Nachbarschaft ausgesucht, die ihn liebend gern adoptierten. Das war für alle Beteiligten eine gute Lösung. Vor allem für unseren Jockel bedeutete es, dass er einen geschützten Bereich für sich hatte.

Auf dem Bild liegt Jockel zusammengerollt auf einer Decke.

Gucki war etwa zehneinhalb Jahre alt, als sich bei einem Mitglied seiner Familie eine schwere Katzenallergie einstellte. Irgendwann wurde die Entscheidung getroffen, den Kater in gute Hände zu geben. Mehrere Versuche ihn abzugeben scheiterten. Die Besitzer wollten ihn aber auch nicht einfach in ein Tierheim geben.

Nun, ich kannte ihn von klein auf. Daher war mir sein Schicksal nicht so gleichgültig. Und so besprach ich mich mit meiner Familie. Wir entschieden, dass wir ausprobieren würden, ob Jockel und Gucki miteinander leben können. Platz für eine zweite Katze war ja da. Wir vereinbarten, dass Gucki nach Silvester 2013 zu uns kommen würde.

Als Gucki kam, waren wir alle ziemlich gespannt auf den neuen Mitbewohner. Vor allem darauf,  wie er in der neuen Umgebung zurechtkam. Als er gebracht wurde, stellten wir den Transportkorb ins Wohnzimmer und überließen es dem Kater selbst rauszugehen oder noch eine Weile im Korb sitzenzubleiben. Es dauerte nicht lang, bis er neugierig genug war rauszugehen und ein bisschen miauend umherzustreifen. Er war eben ein gesprächiger Kater.

Jockel war etwas ängstlich, als die beiden Kater sich begegneten. Es stellte sich heraus, dass Gucki ebenfalls Angst hatte. Er verkroch sich auf dem obersten Stockwerk unter ein Bett und blieb erst mal dort. Später war es ein Bretterstapel, den er sich als Zuflucht aussuchte. Wir sahen ihn in den ersten Tagen nur wenig. Er kam zum Fressen und auf das Katzenklo. Und abends miaute er das ganze Katzenherzenleid heraus. Es klang so unsagbar traurig.

So ging es einige Tage. Dann begann er seinen Vertrauensbereich zu erweitern. Manchmal wachte ich davon auf, dass er sich an das äußerste Ende meines Bettes zusammengerollt hatte. Später hielt er sich auch mal im Wohnzimmer auf. Er entdeckte wohl, dass ihm hier keine Gefahr drohte.

Gucki war bisher Freigänger gewesen. Und das würde er bald auch wieder sein dürfen. Bis dahin, hatte ich bei jedem Öffnen der Haustür Angst, dass er uns entwischen könnte. Und wie sollte ich ihn dann wiederfinden? Daher verzichtete ich während dieser Zeit komplett darauf, die Haustür per Knopfdruck zu öffnen und ging selbst hinunter.

Auf dem Bild sind beide Katzen im Wohnzimmer. Gucki liegt vor der Terrassentür. Jockel steht vor einem Schrank. Beide Katzen wirken friedlich.

Gucki stand oft genug vor der Terrassentür und miaute herzzerreißend. Als Freigänger musste er sich total eingesperrt fühlen. Und so zogen sich die ersten Wochen hin, bis wir entschieden ihn rauszulassen. Die ersten Male machte ich mir Sorgen darüber, dass er nicht zurückkam. Aber irgendwann hörte das auf. Denn Gucki zeigte mir, dass er begriffen hatte, dass er hier bei uns zuhause war.

Es war eine gute Entscheidung, Gucki im Winter zu uns zu nehmen. Ich glaube, ich wäre sonst tausend Tode gestorben. Immerhin steht unsere Terrasse offen, sobald das Wetter schön ist. Nun, als der Frühling 2014 kam, erinnerte nichts mehr daran, das Gucki erst seit kurzem bei uns war. Er hatte sich mit Jockel arrangiert. Nur beim Fressen kennt er keine Freunde. Aber wenn es nur das ist? Damit können wir inzwischen umgehen.

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3 Kommentare zu „Fast ein Weihnachtskater

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