Bezahlte Hilfe oder soziales Umfeld

Was macht mehr Sinn, Hilfe aus dem sozialen Umfeld oder eine bezahlte Assistenz?

Ich bin ein großer Freund davon, dass sich Menschen mit Behinderung Tätigkeiten, die sie selbst nicht erledigen können, von einer bezahlten Assistenz durchführen lassen. Dies möchte ich gern an einem Beispiel veranschaulichen.
Vor allem mich als blinde Mutter hat das Thema beschäftigt, als meine Kinder noch zu jung waren, um alleine ins Schwimmbad oder auf die Kirmes zu gehen. Gepaart mit meinem eigenen Respekt vor Wasser wollte ich es nicht verantworten mit ihnen alleine schwimmen zu gehen. Es gibt blinde Eltern, die das hinkriegen. Ich selbst habe mich das lange nicht getraut. Solche Aufgaben habe ich am liebsten mit sehender Begleitung gemacht. Aber woher nehmen? Nicht immer klappt es, dass man sich mit anderen Eltern gleichaltriger Kinder verabreden kann.
Ich weiß noch, dass meine Kinder sich eine ganze Woche lang darauf gefreut hatten am kommenden Samstag schwimmen zu gehen. Eine Dame aus meinem sozialen Umfeld hatte angeboten uns zu begleiten. Und so hatten wir uns an dem Tag nichts vorgenommen, hatte ich Proviant vorbereitet und die Sachen der Kinder vorbereitet. Wir wollten uns um 14:30 Uhr bei uns zu Hause treffen und gemeinsam zum Schwimmbad fahren.

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Bloggen als blinde Schreiberin 

Hier erkläre ich wie ich blind blogge, was geht, und wofür ich sehende Hilfe brauche.

Das Titelbild zeigt einen Laptop mit Braillezeile, mit meinen Fingern lese ich darauf den Text.

Meine Beiträge der letzten Monate beinhalteten im Großen und Ganzen eine Art Bedienungsanleitung für Blinde. Ich habe beschrieben wie ich blind koche, Wäsche wasche, Geld auseinander halte oder am Computer arbeite.

Ich bin weder eine Supersportlerin, eine besonders erfolgreiche Frau oder eine sonstige Berühmtheit. Und auch als Supermummy kann ich mich ebenfalls nicht bezeichnen. Ich bin quasi die Frau von Nebenan. Zur Zeit Hausfrau und Mutter von zwei normal sehenden Teenagern, die ich großziehen darf. Außer der Tatsache, dass ich blind bin, gibt es zwischen mir und anderen Müttern von Teenagern ganz viele Gemeinsamkeiten, die das Leben mit Beruf, Alltag und Kindern mit sich bringt. Auch meine arabische Herkunft ist in der heutigen Zeit nichts Besonderes mehr. Es ist eben eine meiner vielen Eigenschaften.

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Nur fliegen ist schöner

Blind und unbegleitet fliegen? Wie kann das gehen? Über das Fliegen als blinder Passagier und die damit verbundenen Erlebnisse

Das Bild zeigt mich auf dem Frankfurter Flughafen.

Im November 2015 flog ich für fast drei Wochen nach Jordanien. Dazu telefonierte ich mit dem Ticketverkäufer meines Vertrauens und besprach alles Nötige. Ich finde mich auf dem Frankfurter Flughafen nicht alleine zurecht. Daher meldete ich den Bedarf einer Assistenz an, die mich zum Flieger begleitet. Im Flugzeug wollte ich einen Sitz am Gang. Zum einen brauche ich keinen Fensterplatz, zum zweiten empfinde ich es leichter mit den Flugbegleitern zu kommunizieren, wenn ich dies nicht über zwei Passagiere hinweg machen muss. Und weiter brauche ich eine Begleitung, die mich In Jordanien am Flieger abholt, durch den Flughafen begleitet, mit mir das Gepäck abholt und mich zur Ankunftshalle bringt. Dort würde ich dann abgeholt werden. Auf dem Rückflug nach Deutschland brauchte ich das gleiche Spiel in umgekehrter Reihenfolge. Ich betonte noch einmal, dass ich keinen Rollstuhl brauche, sondern lediglich eine sehende Begleitung, die mir den Weg zeigte. Der Flug wurde gebucht, das Ticket bezahlt und ich bekam das Ganze per E-Mail bestätigt. Nun konnte es also losgehen.
Ich packte also meinen Koffer, verstaute die Dinge, die ich diesem nicht überlassen wollte in einem Rucksack, fertig. Diesmal verzichtete ich darauf mich zum Flughafen begleiten zu lassen, da es eine direkte Busverbindung gibt. Außerdem habe ich mein Gepäck so zusammengestellt, dass ich damit ohne fremde Hilfe zurechtkomme. Meinen Rollkoffer hatte ich für die linke Hand vorgesehen, auf dem Rücken den Rucksack, und die rechte Hand war dem Blindenstock vorbehalten. Diesen brauche ich, um mir meinen Weg zu ertasten. Wenn ich doch mal eine freie Hand brauche, dann kann ich mir den Stock auch mal unter den Arm klemmen. Jedenfalls solange ich nicht laufe. Schließlich möchte ich keine unliebsamen Bekanntschaften mit Laternenpfählen und so weiter machen. (-:

Eine Hürde ist für mich der Umstieg am Busbahnhof des Flughafens. Mein Bus kommt am Terminal 1 an. Und ich muss zum Terminal 2. Aber bekanntlich sind Menschen oft nett, wenn man sie lässt. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass es Mitreisende mit gleichem Ziel gibt, denen man sich anschließen kann. Und so war es auch diesmal. So war ich also in der riesigen Ankunftshalle. Ich sprach den nächstbesten Passanten an, um zu erfahren in welchem Bereich ich mich befand. So wusste ich in welche Richtung ich mich bewegen musste. Irgendwann sprach mich ein Mitarbeiter des Flughafens an. Er bot mir an mich zum Check-in zu begleiten, was ich gerne annahm.

Und jetzt wurde es erst mal etwas problematisch. Der Mitarbeiter erklärte mir, dass ich nicht am Gang sitzen dürfte. Blinde würden aus Sicherheitsgründen grundsätzlich am Fenster sitzen. Ich hatte davon noch nie etwas gehört, was ich auch entsprechend äußerte. Es wurde jemand anderes hinzu geholt, der mir erklärte, dass dies Vorschrift sei. Ich erklärte den beiden in ruhigem und sachlichen Ton, dass es viel gefährlicher sei, wenn die Flugbegleitung bei der Geräuschkulisse nicht vernünftig mit dem Blinden kommunizieren könne. Schließlich fallen Gestik und Mimik hier vollständig aus. Und wenn ich erst einmal über zwei Passagiere klettern muss, um zur Toilette zu kommen, wäre dies eine Stolperfalle. Es wurde sich besprochen. Und dann bekam ich meinen gewünschten Sitzplatz.

Die gewünschte Assistenz kam und brachte den schon obligatorischen Rollstuhl mit. Nun, dann konnte ich den auch als Gepäckablage benutzen. 🙂 Ich wurde in die Wartelounge gebracht. Die Dame erklärte mir wo ich mich hinwenden soll, wenn ich etwas brauche. Später wurde ich abgeholt. Mit einem Elektroauto ging es dann Richtung Flieger.

In Amman wurde ich von zwei Mitarbeitern abgeholt. Während ich mich noch fragte warum die zu zweit kommen mussten, merkte ich, dass noch eine Rollstuhlfahrerin begleitet werden musste. Es ging nicht auf dem direkten Weg zu den Sicherheitskontrollen, da noch eine weitere Dame mit Assistenzbedarf von einem anderen Flieger abgeholt werden musste. Das kostete uns noch mal gut 20 Minuten. Beide Damen hatten eine Begleitperson dabei. Mit der großen Gruppe waren wir sicher der Hingucker schlechthin. Da ich als einzige aus der Gruppe ein Visum brauchte, setzte sich einer der Mitarbeiter mit mir ab. Alles Weitere lief reibungslos. Ich hatte mir meinen Koffer mit einem glitzernden Band markiert, damit meine Assistenz ihn unter den vielen Gepäckstücken der Mitreisenden wiederfinden konnte. Eine weitere Alternative wäre den Koffer zuhause zu fotografieren. 

Auf dem Rückflug hatte ich wieder die Diskussion mit dem Rollstuhl zu führen. Irgendwo haben sich wohl alle Flughäfen dieser Welt darauf verschworen Menschen mit Behinderung in einen Rollstuhl zu setzen. Da mein Arabisch längst nicht so gut ist wie mein Deutsch, ist es jedes Mal eine Herausforderung den Mitarbeitern klarzumachen, dass ich mich definitiv nicht in diesen Rollstuhl setzen werde. Der Mann verlegte sich auf das Bitten. So nach dem Motto: „Höre auf Deinen großen Bruder“. Keine Chance. Er hat irgendwann selbst eingesehen, dass es zwecklos ist. Ich kann manchmal ziemlich stur sein. (-: Und wenn ich nicht in einem Rollstuhl sitzen möchte, dann möchte ich, dass man das respektiert. Das gehört für mich zu einem selbstbestimmten Leben.

Dafür gab es keine Diskussion ob Gang oder Fenster. Besonders toll fand ich, dass mir die Sicherheitsmaßnahmen separat gezeigt wurden. Auch wurde mir beim Essen das Tablett erklärt und alles andere. Zwischendurch kam auch mal jemand und fragte nach ob ich noch etwas brauche. Ich erwähne das, weil das nicht selbstverständlich ist. Ich habe auch schon anderes erlebt.

Sommer 2007. Mein Sohn war sechs und meine Tochter fast acht Jahre, als ich zum ersten Mal mit beiden Kindern nach Jordanien flog. Ich hatte die begleitende Assistenz bei der Buchung angefordert. Wir wurden wie vereinbart am Check-in abgeholt und wie geplant zum Flieger begleitet. Anschließend kam der Kabinenchef zu mir, und erklärte mir, dass er uns aus Sicherheitsgründen gar nicht mitnehmen dürfe. Denn ich könnte meine Kinder nicht begleiten. Als Alternative zum sofortigen Ausstieg ließ er mich ein Formular unterschreiben, dass es sich um unbegleitete Kinder handelte. Damals fehlte mir die Erfahrung, um dem etwas entgegenzusetzen. Also unterschrieb ich. Ich hatte es so verstanden, dass man dann auch ein Auge auf uns haben würde. Dem war aber nicht so. Auch nicht, als mein Sohn Angst bekam. Die Folge war eine ordentliche Beschwerde. Bisher die einzige von meiner Seite.

Zum obligatorischen Rollstuhl fällt mir noch eine kleine Geschichte ein. Meine Kinder und ich waren gerade aus dem Urlaub gekommen. Nach der Landung am Frankfurter Flughafen wurden wir von einer Dame abgeholt, die mir ebenfalls den Rollstuhl anbot. Ich wollte lieber laufen. Meine Kinder fragten, ob sie sich mal reinsetzen dürften. Die Dame erlaubte es ihnen. Mein nein wurde von allen Seiten ignoriert. Also setzte sich einer rein, während der andere schob. Doch wurde dies auf die Dauer etwas langweilig. Und beide Kinder hatten nach dem langen Flug Bewegungsdrang. Also probierten sie aus was das Teil hergab. Geschwindigkeit, Kurven, Bremsen. Hauptsache Action. Und auf dem glatten Boden funktioniert das nun mal erschreckend gut. Unsere Begleiterin sah sehr schnell ein, dass das keine gute Idee mehr war.

Wenn ich einen Flug buche, dann sage ich dazu, dass ich keinen Rollstuhl möchte. Ich sage was ich brauche. Denn schließlich bin ich die Expertin für meine Behinderung. Und ich wünsche mir, dass meine Bedürfnisse, die ich klar geäußert habe, berücksichtigt werden. Im Marketing heißt es: Der Kunde ist König. Warum bitte soll das für Menschen mit Behinderung nicht ebenso gelten?  

Blinde Eltern, sehende Kinder, Teil 1 – die ersten Jahre

Über meine ersten Jahre als blinde Mutter mit sehenden Kindern

In den ersten 9 Monaten brauchte ich nur wenig sehende Hilfe im Alltag. Ich hatte eine richtig tolle nachsorgende Hebamme, die mir die Handgriffe und Tricks zeigte, die bei der Säuglingspflege wichtig sind. Dies passierte in meiner vertrauten Umgebung, so dass ich all das Erlernte direkt umsetzen konnte. Außerdem sorgte sie dafür, dass ihre Patienten Kontakt zueinander hatten, wenn sie das wollten. Das war eine große Hilfe für uns alle. Gerade während der ersten Jahre.

Nachdem sich unser Alltag eingespielt hatte kam ich sehr gut zurecht. In meiner Wohnung kannte ich mich aus. Und wo man ein Baby ablegt, da bleibt es liegen bis man es wieder abholt. Jedenfalls in den ersten Monaten.

Die erste Veränderung kam, als meine Tochter begann sich mehr zu bewegen und sich zu drehen. Ab da habe ich sie beispielsweise nur noch auf dem Boden gewickelt. So war ein Herunterfallen ausgeschlossen. Außerdem hatte ich immer eine Hand am Kind. So hatte ich Windel, Kind und Platz im Griff. Vor dem Wickeln oder Umziehen habe ich mir mein Aktionsfeld vorbereitet, so dass ich nicht zwischendurch irgendwo irgendwas holen brauchte.

Wenn ich mit meinem Baby unterwegs war, gebrauchte ich ein Tragetuch, welches ich mir so band, dass meine Tochter direkt vor meinem Bauch war. Anfangs platzierte ich sie so, dass sie mit dem Gesicht zu mir lag. Später, als die Wachfasen länger wurden, trug ich sie mit dem Gesicht nach vorne vor mir her. Das war für sie wie Fernsehen. Auf diese Weise konnte ich auch das Problem mit den visuellen Eindrücken und dem Aufbau von Blickkontakt lösen. Da sie ein sehr kommunikatives Baby war, war das für mich sehr entspannend. Während andere Babys im Kinderwagen aus Langeweile quengelten, betrachtete meine Tochter die Umgebung und alles und jeden, der sich bewegte.

Als meine Tochter 5 Monate alt war, meldete ich uns in einer Mutterkindgruppe an. Der Schwerpunkt lag auf gemeinsames Singen, Spielen und Erfahrungsaustausch. Außerdem besuchte ich gemeinsam mit einer Freundin einen freien Babytreff. Hier half man mir auch mal beim
Füttern mit dem Löffel, da das anfangs noch nicht so recht klappen wollte. Meine Tochter vertrat lange Zeit den Standpunkt, dass ich nun mal die Brust sei und verweigerte alles andere, was ich ihr anbot. Und da ich den Standpunkt vertrete, dass Essen Freude machen sollte, akzeptierte ich das erst einmal so.

Ich achtete darauf, dass wir viel unter andere Eltern und Kinder kamen. Da meine Tochter auf Action stand, war sie dadurch ausgeglichener. Für mich war es der Lösungsweg, um ihr Dinge wie Gestik und Mimik näher zu bringen.

Schwierig wurde es erst, als sie das Laufen erlernte, und anfing draußen die Welt zu entdecken. Wir wohnten damals in einer Gegend, in welcher die Sandkisten und Wiesen schon mal Hundehaufen oder Glasscherben enthalten konnten. Freies Spielen auf dem Spielplatz war daher nur mit Hilfe einer sehenden Begleitung möglich.

Fragen, Telefonate usw. Ergebnis war, dass ich auf dem Sozialamt einen Antrag auf Assistenz gestellt habe. Man prüfte unsere finanzielle Situation, um mir nach einiger Zeit mitzuteilen, dass uns keine Mittel zur Verfügung gestellt werden können. Auch von anderen Stellen gab es keine Hilfe, allenfalls einen Verweis auf den ansässigen Blindenverein oder das Blindengeld. Wenn ich also eine Hilfe brauchte, dann war dies mit viel Organisation, viel Bitten oder selbst zahlen verbunden. Kurz gesagt, es musste eine kreative Lösung her. 

Mein Mann, der etwas mehr sieht als ich, konnte solche Aufgaben schon mal übernehmen. Eine andere Lösung war sichmit Freunden zu verabreden, deren Kinder im Alter meiner Tochter waren. Einmal in der Woche besuchten wir meine Eltern und Geschwister, die Gern mit meiner Tochter draußen waren.

Meine Elternzeit endete, als meine Tochter ein Jahr alt wurde. Wir gaben Sie zu einer Tagesmutter, während ich wieder arbeiten ging. Die Kosten trugen wir selbst. Diese Tagesmutter betreute meist vier Tageskinder im Alter von ein bis zwei Jahren. Mit diesen war sie viel draußen, einkaufen usw. Wir sahen es als Krabbelstube mit einem erhöhten Betreuungsschlüssel an.

Da es damals weder eine Anlaufstelle für blinde Eltern, noch eine Möglichkeit gab sich auszutauschen, wusste ich auch nicht, dass es für Kinder behinderter Eltern eine Frühförderung gibt. Diese würde dem Kind in meinem Fall die Dinge vermitteln, die ich nicht sehe. Ich kann keinem sehenden Kleinkind Farben benennen, da ich diese nicht sehe. Daher sprach ich das Thema bei unserer Tagesmutter an, damit sie darauf achtete, dass meine Tochter keine Defizite aufwies.

Mein Sohn wurde geboren, als meine Tochter 17 Monate alt war. Ich ging erneut in Elternzeit. Mein Mann und ich entschieden uns dafür unsere Tochter weiter zur Tagesmutter gehen zu lassen, da diese ihr mehr Förderung bieten konnte, und sie sich dort sehr wohl fühlte.

Zum ersten Mal bekam ich den Assistenzbedarf richtig zu spüren, als mein Sohn ein halbes Jahr alt war, und meine Tochter zwei Jahre. Zu dem Zeitpunkt hatte unsere Tagesmutter einen dreiwöchigen Urlaub während der Sommerferien genommen. Meine Freundin, welche Kinder im alter meiner beiden hatte, zog weg, so dass wir uns nicht mehr so oft verabreden konnten, und Aktivitäten für Eltern mit kleinen Kindern waren mir nicht bekannt. Zuhause mit einem Baby und einem Kleinkind, welches so gerne auf den Spielplatz wollte, und nicht durfte. Und dass weil die blinde Mutter nicht verantworten wollte, dass ihr Kind genüsslich an einer Glasscherbe des Sandkastens lutschte. Das war ein ganz schreckliches Gefühl für mich.

Zeitweise bezahlte ich eine Schülerin aus der Nachbarschaft dafür, dass sie mit meiner Tochter auf den nahe gelegenen Spielplatz ging. Irgendwann machte mich eine Bekannte auf ein Projekt aufmerksam, wo an drei Tagen in der Woche zwei oder drei stunden lang Aufsicht auf einem Spielplatz in Frankfurt Bockenheim gemacht wurde. Hier konnte man Kleinkinder zum Spielen abgeben. Es war wohl für Eltern gedacht, die eben mal schnell ohne Kinder einkaufen oder Termine Wahrnehmen wollten. Und für mich kam das wie gerufen. Ich konnte mit meinen Kindern ganz entspannt auf den Spielplatz und hatte jemanden, der für mich schaute.

Im Herbst 2001 stellten wir einen Antrag auf Übernahme der Kosten für die Tagesmutter, der bewilligt wurde. Warum weiß ich bis heute nicht. Auch ist mir unverständlich, dass mir die Tagesmutter bewilligt wurde, die ein Vielfaches mehr kostete als eine Honorarkraft, welche mir zuhause hätte zur Hand gehen können. Zeitgleich hätte ich einen Platz in einer Kindertagesstätte haben können, der ebenfalls weniger gekostet hätte als die Tagesmutter. Aber der wurde nicht bewilligt, da ich nicht arbeitete, und meine Tochter unter drei Jahre alt war.

Als mein Sohn ein Jahr alt wurde, ging auch er an zwei Vormittagen zur Tagesmutter. Ich nutzte die Zeit meist, um mit meiner Tochter einen Minikindergarten zu besuchen, in welchem auch geturnt und gebastelt wurde. Und zwar ohne aktive Mitarbeit der Eltern, wie es sonst in Kleinkindergruppen üblich ist. Auf diese Weise hatte ich eine Aktivität, die ich problemlos mit ihr machen konnte.

Meine Tochter besuchte die Tagesmutter etwa eineinhalb Jahre lang. Danach zogen wir von Frankfurt weg. Sie hat in dieser Zeit vieles gelernt, was ich ihr nicht hätte beibringen können. Ganz wichtig war mir die Verkehrserziehung. Sie hat gelernt wohin sie schauen musste, wenn sie eine Ampel überqueren wollte. Und sie hat einen ganz normalen Umgang in einer visuell orientierten Gesellschaft gelernt.